Fixierung

Ich komme gerade von einem Spaziergang wieder.
Ich ging nun fast zwei Stunden durch den dunklen Abend. Eingehüllt in die Dunkelheit konnte ich meinen Tränen freien Lauf lassen.
Es waren Tränen aus meinem tiefsten Inneren. Es war ein Weinen, dass zwar still vor sich ging, aber sehr lange dauerte. Als würde sich etwas reinigen. Den Schleier ein wenig wegwaschen.
Seit gut einer Woche laufe ich ich mit diesem dicken zähen Schleier durch die Gegend.
Fixiert.
Das ist ein gutes Wort dafür, was in mir los ist.
Die ganzen Tage staute sich in mir etwas auf, was kaum zu ertragen war. Ein Schmerz dumpf und kaum greifbar. Natürlich wollte ich dieser Art von Leid auch wieder entkommen. Wollte zwar hinsehen, aber nicht wirklich etwas damit zu tun haben. Aber auch diese Taktik ist fruchtlos, weil das Leben sich dann dem annimmt. Mit voller Wucht und Kraft.
So lange, bis da nur mehr ein Zittern ist, dass den der Blättern gleicht, bevor sie zu Boden fallen.
Ich lief davon und gleichzeit mittenhinein. Der Schleier wurde immer dicker.
Kein Entkommen.
Hier waren Suizidgedanken wieder sehr präsent. Sehr mächtig.
Aber dennoch als Irrtum erkennbar für mich und deswegen keinesfalls gefährlich.
Und auch diese Gedanken war gut. Der Schleier wurde dicker und hat mich ausgefüllt.
Als ich vorhin die Türe des Hauses öffnete, meinen Schal nochmals enger zog und überlegte einfach ins Auto zu steigen und planlos loszufahren, wusste ich noch nicht, was passieren würde, wenn die Türe hinter mir ins Schloss fallen wird.
Man höre und staune.
Ich kann es nicht wissen!
Dann spürte ich die kühle Abendluft und ein leichtes Nieseln, dass aus dem Nebel fiel.
Und als wollte ich mich einbetten in dieses feuchte, leicht nieselnde Abendwetter begann es aus mir zu Weinen.
Ohne wirklichen Grund. Ohne Gedanken. Ohne Anlass.
Nur Gefühl.
Ich ging los.
Der Rhythmus meines Ganges half mir. Wie ein Metronom zeigte mir dieser Takt den Weg. Und die Tränen konnten laufen.
Ich wusste nicht wohin ich gehe.
Ich genoss die kühle Luft auf meinen Wangen. Durch meine tränennassen Wangen spürte ich sie noch intensiver.
Irgendwann stand ich wieder vor dieser Türe.
Ich saß noch eine Weile auf der Eingangsstufe und dann drang Kinderlärm nach draußen.
Etwas ist von mir abgefallen.
Ich kann es noch nicht wirklich benennen.
Erschöpfung macht sich breit.
Aber auch ein wenig Erleichterung.
Ich fühle mich leer.

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Autor: Carmen
Datum: Montag, 3. November 2008 22:13
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