Beiträge vom November, 2008

Im Einklang

Donnerstag, 6. November 2008 8:57

Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen.
Meine Halsschmerzen und das wohl immer noch leicht vorhandene Fieber ließen mich unruhig sein. Aber ich empfand das nicht als störend.
Irgendwann stand ich auf und setzte mich ins Wohnzimmer. In eine Decke gehüllt ließ ich meine Gedanken so an mir vorbeiziehen und spürte eine Art Zufriedenheit in mir.

Ich kam auch an den Punkt, an dem mir klarer wurde, was mich an anderen Menschen oftmals so irritiert.

Sie sind klar in ihrem Geist, in ihrem Körper und ihrer Seele. In jedem dieser Teile können sie für sich klar sein, klar sehen, klar fühlen. Doch diese Bereich zusammen zu fügen, sie in Einklang zu bringen ist wohl das wahre Erleben.
So lange ich in einem dieser Bereiche verweile, selbst wenn ich diesem Bereich größte Aufmerksamkeit schenke und all meine Energie hinein lege, fehlt etwas Entscheidendes. Ich kann nicht erleben. Und genau das spüre ich bei anderen Menschen immer öfter, und es irritiert mich.
Manchmal schmerzt es mich sogar.

Aber vielleicht irre ich mich auch. Wer weiß.

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Am Himmel

Mittwoch, 5. November 2008 16:56

himmel-4.jpg

Gerade eben leuchtete mir der Himmel entgegen…..
Das ganze Schauspiel dauert gerade mal ein paar Minuten.
Vergänglich……..und dennoch immer existent.

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In die Knie

Dienstag, 4. November 2008 6:40

Heute ist es da.
Schon seit Tage irgendwie in mir.
Ich habe Fieber.

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Fixierung

Montag, 3. November 2008 22:13

Ich komme gerade von einem Spaziergang wieder.
Ich ging nun fast zwei Stunden durch den dunklen Abend. Eingehüllt in die Dunkelheit konnte ich meinen Tränen freien Lauf lassen.
Es waren Tränen aus meinem tiefsten Inneren. Es war ein Weinen, dass zwar still vor sich ging, aber sehr lange dauerte. Als würde sich etwas reinigen. Den Schleier ein wenig wegwaschen.
Seit gut einer Woche laufe ich ich mit diesem dicken zähen Schleier durch die Gegend.
Fixiert.
Das ist ein gutes Wort dafür, was in mir los ist.
Die ganzen Tage staute sich in mir etwas auf, was kaum zu ertragen war. Ein Schmerz dumpf und kaum greifbar. Natürlich wollte ich dieser Art von Leid auch wieder entkommen. Wollte zwar hinsehen, aber nicht wirklich etwas damit zu tun haben. Aber auch diese Taktik ist fruchtlos, weil das Leben sich dann dem annimmt. Mit voller Wucht und Kraft.
So lange, bis da nur mehr ein Zittern ist, dass den der Blättern gleicht, bevor sie zu Boden fallen.
Ich lief davon und gleichzeit mittenhinein. Der Schleier wurde immer dicker.
Kein Entkommen.
Hier waren Suizidgedanken wieder sehr präsent. Sehr mächtig.
Aber dennoch als Irrtum erkennbar für mich und deswegen keinesfalls gefährlich.
Und auch diese Gedanken war gut. Der Schleier wurde dicker und hat mich ausgefüllt.
Als ich vorhin die Türe des Hauses öffnete, meinen Schal nochmals enger zog und überlegte einfach ins Auto zu steigen und planlos loszufahren, wusste ich noch nicht, was passieren würde, wenn die Türe hinter mir ins Schloss fallen wird.
Man höre und staune.
Ich kann es nicht wissen!
Dann spürte ich die kühle Abendluft und ein leichtes Nieseln, dass aus dem Nebel fiel.
Und als wollte ich mich einbetten in dieses feuchte, leicht nieselnde Abendwetter begann es aus mir zu Weinen.
Ohne wirklichen Grund. Ohne Gedanken. Ohne Anlass.
Nur Gefühl.
Ich ging los.
Der Rhythmus meines Ganges half mir. Wie ein Metronom zeigte mir dieser Takt den Weg. Und die Tränen konnten laufen.
Ich wusste nicht wohin ich gehe.
Ich genoss die kühle Luft auf meinen Wangen. Durch meine tränennassen Wangen spürte ich sie noch intensiver.
Irgendwann stand ich wieder vor dieser Türe.
Ich saß noch eine Weile auf der Eingangsstufe und dann drang Kinderlärm nach draußen.
Etwas ist von mir abgefallen.
Ich kann es noch nicht wirklich benennen.
Erschöpfung macht sich breit.
Aber auch ein wenig Erleichterung.
Ich fühle mich leer.

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Konklusio

Montag, 3. November 2008 8:03

Wenn ich das Geschehen, welches ich im Beitrag “Schrei” versucht habe zu beschreiben, genauer ansehen, dann kann ich sehr wohl erkennen, dass mein “Handeln” für den Menschen, der da vor mir lag, richtig war.
Aber darum ging es mir irgendwie nicht, so paradox das klingen mag.
Trotz meiner Hysterie und Schreierei habe ich darauf geachtet nicht verstandslos und unsachgemäß zu handeln. (Wie das schon klingt).
Das lief quasi als Funktion ab. Wurde aus meinem Gehirn irgendwo hervorgekramt. Was wohl nicht allzuschwer war, da ich im letzten Semester in einer Lehrveranstaltung Epsilepsie zu behandeln hatte.
Was mich viel mehr beschäftigt sind da diese Betrachtungsweise der Person, die da lag.
Ich sah da nur diesesn zuckenden Körper.
Wo waren Gefühle?
Bis darauf, dass in mir ein starker Drang zur Flucht war (auch bezeichnent für meinen Charakter) empfand ich für diese Person nichts.
Ich wollte Leid vermeiden, ja. Ich wollte Verletzungen vermeiden, ja.
Aber wenn ich das genauer betrachte, ging es nur um mich.
Ich wollte weder dieses Leid, diese möglichen Verletzungen noch den Tod sehen.
Mein größte Angst war, es nicht verhindern zu können, was ich da sehe….oder möglicherweise sehen werde.
Und darum geht es im Prinzip auch heute noch.
Natürlich greift da meine Fürsorge. Ich will (will!), dass es dem anderen gut geht. Das dies nie mehr passiert.
Aber wenn ich ehrlich bin, geht es hier weniger um den anderen.
Sondern darum, dass ich damit nicht konfrontiert werden will.
Ich will das mit allen mir zustehenden Mitteln vermeiden, und werde daran scheitern.
Es ging und geht hier nur um mich.
Das erschreckt mich.

Thema: Alles und Nichts | Kommentare (1) | Autor: Carmen

Schrei

Samstag, 1. November 2008 16:58

Es ist 3 Uhr früh. Ich krieche aus dem Tiefschlaf hoch, weil ich ein Schreien höre. Die immer stärkere Intensität lässt mich dann so schnell auftauchen, dass Geist und Körper gar nicht richtig zu einander finden wollen. Mir wird bewusst, dass mein Mann neben mir im Bett diese Laute von sich gibt. Im ersten Moment denke ich an einen Alptraum und versuche ihn durch ein Stupsen mit meiner Hand zu wecken. Aber dieser Schrei nimmt einen ganz gedrungenen, gepressten Charakter an der mir augenblicklich zu verstehen gibt, dass dies nicht aus einem Alptraum entstehen kann.
Ich suche mit einer Hand nach dem Lichtschalter meiner Nachttischlampe und kann sie nicht sofort finden. Ich merke wie meine Hand zittert und Panik aufkommt. Ich wusste, wenn das Licht an ist werde ich etwas erblicken, dass ich eigentlich nicht sehen will.
Endlich, der Lichtschalter. Ich knalle mit meiner Hand drauf und drehe gleichzeitig meinen Kopf in Richtung des Schreies.
Da lag dieser Körper, von Krämpfen geschüttelt. Den Kopf nach hinten geworfen. Alle Gliedmaßen zum Körper gezogen. Alle Muskeln kontrahierend. Die Augen offen und nach oben gedreht.
Ich beginne zu schreien und springe aus dem Bett an die Seite meines Mannes. Der Schrei geht in ein Gurgeln und nach Luft ringen über. Ich will etwas tun, und dann aber doch wieder nicht. Ich will eigentlich nichts damit zu tun haben.
Er wird sterben, mein erster Gedanke. Er wird sterben.
Ich schreie wohl immer noch unkontrolliert durch die Gegend denn ich höre wie die Kinderzimmertüren aufgehen. Immer noch dieser zuckend Leib vor mir.
Ich gehe schnell aus dem Zimmer, schließe die Türe, fange die Kinder ab und schicke sie zum ältesten Bruder ins Zimmer, dem ich kurz sage, dass es seinem Vater gerade nicht gut geht und ich mich um ihn kümmern muss.
Er versteht sofort.
Ich hetze wieder zu dieser Schlafzimmertüre. Ich habe Angst sie zu öffnen. Alles geht so schnell. Und doch wieder so langsam. Was wird hinter dieser Türe sein wenn ich sie öffne? Wird er schon tot sein? Was kann ich tun?
Ich öffne die Türe und sehe noch immer einen krampfenden Körper und höre diese kaum zu ertragenden Geräusche.
Ich wähle den Notruf.
“Bitte, bitte helft mir…”. Der Mann in der Leitung versichert mir, dass die Rettung kommt. Ich glaube ihm nicht.
Ich versuche den zuckenden Körper in die Seitenlage zu rollen. Schaue ob der Mundraum nicht mit Blut gefüllt ist. Aber selbst wenn, ich könnte nichts tun. “Du darfst ihn nicht wecken”. “Krampfende Menschen darf man nicht wecken”, geht es immer wieder durch meinen Kopf.
Dann wird sein Blick plötzlich starr. Die Augen weit offen und nach vorne gerichtet.
Jetzt ist es vorbei…..oh Gott…
Doch ihr höre ein Röcheln. Der Körper zuckt immer noch aber etwas weniger.
Ich laufe nach unten um die Türe zu öffnen, damit der Notarzt rein kann. Der Notruf hat in der Zwischenzeit auch wieder bei mir angerufen und will, dass ich zurück zu meinem Mann gehe. Ich will aber vor der Türe stehen bleiben damit der Notarzt nicht vorbei fährt. Ich rede sehr laut. Vermutlich schreie ich diese Dame vom Notruf an. Die Nachbarin steht plötzlich da. Ich schicke sie zu den Kindern.
Ich laufe wieder nach oben.
Angst, die Türe zu öffnen.
Er bewegt sich. Er will aufstehen, kann aber nicht. Hat seinen Körper nicht unter Kontrolle. Die Dame vom Notruf sagt mir, ich solle darauf achten, dass er nicht aufsteht. Wie bitte soll ich das machen? Ich rede auf ihn ein.
“Steh nicht auf….leg dich wieder hin….der Arzt kommt gleich”…..
Er lässt sich wieder aufs Bett sinken und alles wird ruhig.
Er liegt am Bauch.
Ich muss hingehen um zu sehen, ob er atmen. Ich kann nicht. Tu es aber trotzdem.
Ich will weg.
Ich will das nicht.
Ich höre die Rettung.
Gott sei Dank.
…………………………………

Es war ein cerebraler Krampfanfall. Sowas kann jedem passieren, sagt der Arzt.

Was mich wirklich erschreckt hat, war die Tatsache, wie ich damit umgegangen bin.
Wie unfähig ich in dieser Situation war, und letztlich nur darauf aus, dieser Situation zu entkommen.
Ich wollte weglaufen.
Ich glaube, in solchen Extremsituation sieht man, was wirklich wahr ist.
Da bleibt nicht mehr viel übrig.

Thema: Alles und Nichts | Kommentare (2) | Autor: Carmen