Beiträge vom 17. Mai 2008

Der Wert meiner selbst

Samstag, 17. Mai 2008 23:27

Die letzten Stunden waren wieder geprägt von Wahnsinnstaten meines Verstandes.
Dieser “Kerl”, wie ihn ein Freund mal nannte, den ich nicht wirklich unter Kontrolle habe. Der mit seiner Eigendynamik das Karusell am Laufen hält und immer wenn ich das Gefühl habe, dass es zum “Stillstand” kommt, kommt irgendein ein “Subkerl” und verleiht dem ganzen Gefährt neuen Schwung.

Ich prostituiere mich, um mir ein künstliches Wertgefühl zu erschaffen.
Immer und immer wieder.
Wie ein kleines Kind.

Wenn Menschen sich nicht so verhalten, wie ich es mir erwarte oder erhoffe, beginnen die irrsten Spekulationen und Interpretationen, warum denn das so sei.
Warum bekomme ich keine Antworten auf meine Fragen?
Warum behandelt jener mich anders, als er XYZ behandelt?
Was mache ich falsch?
Kann ich es je richtig machen?

Wie krank das alles ist.
Und dennoch verfalle ich immer wieder in dieses Muster.
Und ich werde es wieder und wieder tun.
Bis es sich tod läuft.

Wieso denke ich, dass erst, wenn diese Erwartungen meinerseits erfüllt werden, ich so etwas wie Anerkennung empfinden kann?
Wieso fühle ich mich minderwertig, wenn dem nicht so ist?

Ja, ich fühle mich alleine gelassen. Minderwertig, eigentlich wie ein Stück Dreck.
Aber zudem mache ich mich selber.
Und nach wie vor denke ich, dass mir dieses “Alleine-sein” jemand nehmen könnte.
In dem er mich in den Arm nimmt, mir über das Haar streicht und mir tröstende Worte ins Ohr sagt.

Wie das vielleicht einmal mein Vater hätte tun sollen.
Ich warte immer noch auf einen Vater, der dies tut.
Der mich schützt und mir sagt, was ich zu tun habe.

Nur, ich bin kein kleines Mädchen mehr, und meinen Vater gibt es nicht mehr.
Aber aus der Rolle komme ich nicht raus.

Scheiße.

Thema: Alles und Nichts | Kommentare (1) | Autor: shiva

Flugzeuge, Züge und Abgabetermine

Samstag, 17. Mai 2008 12:31

Heute Nacht träumte ich wieder einmal einen jener Träume, die mir in verschiedenen Variationen immer wieder zuteil werden.
Im Grunde haben diese Träume immer die gleiche Struktur.
Ich komme zu spät zu irgendwelchen Verabredungen, und die zu treffende Person ist auf nimmer Wiedersehen verschwunden.
Oder ich versäume mein Flugzeug oder stehe am Bahnsteg und sehe den Zug davon fahren.
Heute war es eine Seminararbeit, die ich abgeben hätte sollen, den Termin allerdings um einen Tag verfehlt habe.
Dadurch konnte ich dann meinen ersten Studiensabschnitt nicht beenden, und das hieße dann wiederum, das Studium aufzugeben.

Tatsächlich gibt es momentan immer wieder solche Gedanken betreffend des Studiums, aber eher aus dem Aspekt der “Abhängigkeit” heraus.
Mal sehen, vielleicht schreibe ich später noch etwas darüber.

Bleiernde Müdigkeit.
Sehr schwül heute, Gewitter liegen in der Luft.
Spannung.
Verspannung.
Linker Arm verspürt noch immer ein Kribbeln.

Thema: Alles und Nichts | Kommentare (0) | Autor: shiva

Blitzlichter

Samstag, 17. Mai 2008 0:25

Ich komme gerade von einer Hochzeit von Freunden.
Die Kinder habe ich bereits ins Bett gebracht, F. schlief schon im Auto ein.
Mein Gesicht habe ich abgeschminkt, und damit versucht, auch die ganze Verlogenheit abzuwaschen.
Gerade ist in mir so viel Traurigkeit, obwohl das Fest an sich ein schönes war.

Der Rahmen, in dem die Trauung stattfand war wie aus dem Bilderbuch, aber dennoch nicht zu kitschig.
Auf einer Wiese. Runherum die Rapsfelder und Blumenwiesen.
Das Brautpaar unter einem großen Baum, die Gäste rundherum, die Kinder toben in den Wiesen.

Der Standesbeamte spricht irgendetwas von “blindem Vertrauen”, “bedingungsloser Liebe” und “einem neuen Lebensabschnitt, den man ab nun zu zweit gehen würde”. Diese Worte schmecken alle sehr schal.
Ich kann mich nur an der wunderschönen Umgebung festhalten, um nicht augenblicklich kotzen zu müssen. Ich empfinde Scham, meiner Freundin gegenüber. Scham und Schuldgefühle, dass ich so empfinde.

Ich singe für das Brautpaar “Summertime” aus Porgy & Pess, als mein Hochzeitsgeschenk an sie.
In diesen paar Minuten fühle ich mich frei.

Ich habe mich heute hübsch gemacht (alleine die Aussage ist ja schon ziemlich befremdend).
Habe ein Kleid angezogen, die Haare besonders lange ausgeföhnt, um jeder widerspenstigen Locke Herr zu werden. Schöne Schuhe angezogen. Dezentes (kaum merkbares) Make up aufgelegt. Ohringe von meiner Oma.
Ja, ein Blick in den Spielgel sagte mir, dass ich mich recht wohl fühle, und raus gehn kann.

Die Tafel fand in einem Landhasthaus der gehobenen Klasse statt.
Diverse, mehr oder weniger dämlichen, gruppendynamische Hochzeitsspiele folgten.
Und dann wurde getanzt.
Da kam dieser Augenblick, in dem ich mich auch zur Musik bewegen wollte.
Ein innerer Drang wollte dort auf die Tanzfläche, zu den vielen anderen Menschen, die sich mehr oder weniger gekonnt zur Musik bewegten. In diesem Moment war es mir egal, ob ich das nun kann oder nicht. Ich wollte mich im Einklang mit der Musik bewegen, ungeachtet dessen, wie befremdend dies wohl aussehen mag.
Aber, ich tat es nicht.
Ich blieb dort sitzten, auf meinem Sessel.
Warum?
Weil man es so von mir erwartet.
Wir machen uns doch nicht zum Deppen oder gar lächerlich, dass sollen die anderen machen.
Bleib brav dort sitzen, und sei folgsam.
Bedingungslose Dummheit.
Wut in mir. Spürbar im Bauch, und eine Schwere ums Herz herum.
Ich beneidete die Menschen, die hemmungslos und voller Freude, voller Begeisterung ihre Körper bewegten, die Hüften kreisten, die Arme in die Höhe rissen.
Obwohl ich diese Dummheit der absoluten Abhängigkeit in mir erkannte, saß ich wie gelähmt auf meinem Stuhl.

Summertime
And the livin’ is easy,
Fish are jumpin’
And the cotton is high.
Oh yo’ daddy’s rich
An’ yo’ ma is good lookin’
So hush, little baby,
Don’t you cry.

One of these mornin’s,
You’s gonna rise up singin’
Then you’ll spread yo’ wings
An’ you’ll take to the sky.
But till that mornin’,
There’s ain’t nothin’ can harm you
With your Daddy an’ Mummy
Standin’ by.

Thema: Alles und Nichts | Kommentare (0) | Autor: shiva