Authentizität vs. moralisch vorgeschriebener Ehrlichkeit
Parallel mit momentan erscheinenden Ereignissen wird das Thema Lügen, oder Ehrlichkeit immer interessanter.
Bisher vergrub auch ich mich in dem Irrtum Ehrlichkeit, sei einfach das Gegenteil von Lügen.
Ich bin leider nicht sonderlich gut, im Aufschreiben dieser komplizierten Gedankengänge, aber ein paar muss ich doch mal loswerden.
Was ist, wenn diese sogenannte, und auch von mir noch vor einigen Wochen hochgehaltene “Ehrlichkeit”, am Ende, mit der Wahrheit gar nichts gemein hat?
Wer sagt, dass eine glatte Lüge, der Wahrheit in Wirklichkeit nicht näher ist, als der Ehrlichkeit?
Das eine freche Lüge, der Realität nicht mehr gleicht, als scheinbare, ehrenhafte Ehrlichkeit?
Und dann ergibt sich sogleich die nächste Frage.
Von welcher Realität sprechen wir denn überhaupt?
Von deiner?
Von meiner?
Von der, unserer Eltern, oder Kinder?
Von der, unserer Freunde, Feinde oder Phantasien?
Welchen Preis bezahlt man eigentlich, wenn man nach der scheinbar moralisch vorgeschriebenen Ehrlichkeit handelt?
Einer Tugend, die von “allen” Mensche als durchaus erstrebenswert gepriesen wird.
Der Preis, den ich bezahle, ist wohl die eigene Authentizität.
Die eigene Ehrlichkeit, MIR gegenüber.
Aber ist es wirklich möglich, spontan ehrlich zu sein?
Ich beobachte bei mir, dass der Verstand sich sofort zwischenschaltet. Ich überlege hin und her, und ab dem Punkt kann es doch eigentlich schon gar nicht mehr authentisch sein. Oder?
An diesem Punkt stehe ich noch an.
Wer verlangt diese “moralsche” Erlichkeit eigentlich von mir?
Wird diese überhaupt verlangt?
Heute bin ich sehr müde.
Eine schwere, bleiernde Müdigkeit. Deshalb bin auch nicht auf die Uni gegangen.
Ich ergebe mich voll dieser Müdigkeit.
Ich achte sie.
Ich glaube, ich werde mich nun schlafen legen, bis die Kinder eintrudeln.
Freitag, 16. Mai 2008 13:00
Jo, das mit der Ehrlichkeit. Kann wirklich zum Terror werden. Mittlerweile finde ich es unheimlich wichtig, mir das Recht auf “Unehrlichkeit” oder eher auch “Indifferenz” zuzubilligen. Nicht mir selbst gegenüber, da ist Aufrichtigkeit. Aber anderen gegenüber. Es ist unmöglich, nach außen hin permanent ehrlich zu sein. Man muß sich nicht immer alles sagen, im Gegenteil, es ist viel schöner, wenn man es einfach lässt, davon ablässt, von diesem permanenten Klärungs- und Rechtfertigungszwang. Und es ist auch überhaupt nicht notwendig. Was für eine Erleichterung. Ich finde Du hast das sehr gut beschrieben oben.
Gruß,
Erdbeermilch