Woge der Traurigkeit
Sonntag, 11. Mai 2008 8:40
Heute Nacht kam sie über mich, diese Woge der Traurigkeit.
Ich kannte Sari Naru seit sie ein Baby war. Damals, als ich meinen ersten Sohn zu Welt brachte übernahm ich diese Patenschaft, und bereits ein paar Wochen später besuchte ich sie zum ersten mal.
Sari Naru bedeutet übersetzt “leuchtender Stern”, und das war sie wirklich.
Kurz nach ihrer Geburt wurde sie von Ihren Eltern weggeben, weil diese das Geld für ein neuerliches Kind nicht hatten. Sari kam in ein Kinderdorf (ähnlich dem SOS Kinderdorf bei uns) und wuchs dort auf. Dieses Kinderdorf war allerdings nicht mehr auf ihrer Heimatinsel sondern auf einer benachbarten, die man nur per Flugzeug erreichen konnte. Zweimal pro Jahr bezahlte ich für ihre Mutter einen Flug nach Java, damit sie ihren leuchtenden Stern zumindest manchmal sehen konnte. Die inner-indonesischen Flüge sind sehr billig und somit war das für mich kein Problem, ich ging ja immer arbeiten. Ein paar Mal habe ich Sari aus ihrem Kinderdorf abgeholt und wir sind dann zusammen zu ihren Eltern geflogen Das war für Sari (und für mich und meine Familie) immer ein großes Abenteuer. Sobald Sari sprechen konnte nannte sie mich “kamu bulan” was soviel wie “mein Mond” bedeutet. Oft saßen wir am Abend draußen und haben die Sterne und den Mond betrachtet. Sterne und Mond sind immer da, von überall zu sehen. Das wurde für uns irgendwie zu einem Symbol der Verbindung.
Die Trauer die mich heute Nacht übermannte war gemischt mit Wut. Da war es wieder dieses Wort “warum?”.
Ich wollte sie in knapp zwei Monaten besuchen, nun wird sie nicht mehr da sein.
Sie wurde gerade mal 11 Jahre alt.
Kurz und heftig trug mich Trauer und Wut durch die Nacht, bis wieder ein gewisser Friede einkehrte. Die Gewissheit, dass ich nach keinem warum suchen brauche. Weil es gut ist, wie es ist.
Auch die vielen Tränen sind ebenso in Ordnung. Sie fließen in den Ozean, aus unendlich vielen Tropfen…..
Thema: Alles und Nichts | Kommentare (1) | Autor: shiva