Blog

Montag, 12. Mai 2008 7:15

Das Schreiben hier im Tagebuch hat irgendwie einen Effekt auf mich.
Es es ist wie ein Überdruckventil, das sich öffnet, wenn der Druck zu groß wird.
Wie man beobachten kann, stehe ich momentan wohl unter Dauerdruck.
Hier kann ich einfach alles rauskotzen, ohne Hemmungen. Ohne Rücksicht auf zartbeseitete Mitmenschen. Wer es nicht erträgt braucht es ja schließlich nicht zu lesen.
Ich habe mir schon einige Male die Frage gestellt, warum ich hier schreibe, oder gar “für wen” ich das mache.
Anfangs war die Antwort ganz klar. Sicher nicht für andere. Ob das nun 5 Leute lesen, hunderte oder keiner ist eigentlich schlichtweg egal. Ich schreibe für mich, nur für mich. Um zu reflektieren, und, weil ich es tun muss. Es geschieht einfach. So. Ohne Anstrengung. Das ist irgendwie ein gutes, leichtes Gefühl.
Aufallend ist hingegegen, dass bereits kurze Zeit nachdem ich Beiträge gepostet habe, mir das soeben Geschriebene irgedendwie reichlich surreal erscheint. Nicht selten als eine neue Lüge aufleuchtet, in Form von großen Stopschilder, wie sie einem auf der Autobahn entgegenblinken, um uns aufzufordern, stehen zu bleiben. Aber genau das will ich nicht. Stehen bleiben. Ich brauche die Reibung um zu wachsen. Auch wenn diese Reibung mir oftmals tiefe Wunden zufügt, oder alte, bereits verheilte (diesem Irrtum laufe ich immer noch auf) wieder aufreisst.
Härte wäre wohl auch ein Synonym für das was ich brauche. Diese Härte ist ein Charakteranteil in mir. Oder vielleicht trifft es Grausamkeit besser. Ein gewisser Hang zur Grausamkeit.
Ein Tagebuch ersetzt allerdings nicht das zwischenmenschliche Gespräch, auch wenn ich mir das manchmal versuche einzureden.
Blödsinn.
Und manchmal wenn ich mir überlege, warum ich mich entschlossen habe dieses Tagebuch zu führen ist da noch ein Gedanke.
Der Gedanke daran, wie hilflos und verloren ich ganz am Anfang dieses Prozesses war (und heute oft noch bin), und dass mir das Lesen von anderen Tagebüchern (und ich habe Nächte damit zugebracht), eigene Prozesse in mir, vor Augen geführt hat. Diese Blogs haben mir gezeigt, dass ich nicht ganz alleine bin mit meinem Gedanken. Heute empfinde ich Dankbarkeit diesen Autoren gegenüber. Vielleicht ist das auch mit ein Grund für mein Schreiben. Das irgendjemand (und sollte es nur eine einzige Person sein) aufgrund meiner Zeilen erkennt, dass es einen Weg gibt, egal wie steinig er auch sein mag. Und dass diesen Weg auch andere gehen.
(Bereits jetzt überlege ich den Schmarrn wieder zu löschen, aber ich lasse es jetzt erstmal stehen).

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Woge der Traurigkeit

Sonntag, 11. Mai 2008 8:40

Heute Nacht kam sie über mich, diese Woge der Traurigkeit.
Ich kannte Sari Naru seit sie ein Baby war. Damals, als ich meinen ersten Sohn zu Welt brachte übernahm ich diese Patenschaft, und bereits ein paar Wochen später besuchte ich sie zum ersten mal.
Sari Naru bedeutet übersetzt “leuchtender Stern”, und das war sie wirklich.
Kurz nach ihrer Geburt wurde sie von Ihren Eltern weggeben, weil diese das Geld für ein neuerliches Kind nicht hatten. Sari kam in ein Kinderdorf (ähnlich dem SOS Kinderdorf bei uns) und wuchs dort auf. Dieses Kinderdorf war allerdings nicht mehr auf ihrer Heimatinsel sondern auf einer benachbarten, die man nur per Flugzeug erreichen konnte. Zweimal pro Jahr bezahlte ich für ihre Mutter einen Flug nach Java, damit sie ihren leuchtenden Stern zumindest manchmal sehen konnte. Die inner-indonesischen Flüge sind sehr billig und somit war das für mich kein Problem, ich ging ja immer arbeiten. Ein paar Mal habe ich Sari aus ihrem Kinderdorf abgeholt und wir sind dann zusammen zu ihren Eltern geflogen Das war für Sari (und für mich und meine Familie) immer ein großes Abenteuer. Sobald Sari sprechen konnte nannte sie mich “kamu bulan” was soviel wie “mein Mond” bedeutet. Oft saßen wir am Abend draußen und haben die Sterne und den Mond betrachtet. Sterne und Mond sind immer da, von überall zu sehen. Das wurde für uns irgendwie zu einem Symbol der Verbindung.
Die Trauer die mich heute Nacht übermannte war gemischt mit Wut. Da war es wieder dieses Wort “warum?”.
Ich wollte sie in knapp zwei Monaten besuchen, nun wird sie nicht mehr da sein.
Sie wurde gerade mal 11 Jahre alt.
Kurz und heftig trug mich Trauer und Wut durch die Nacht, bis wieder ein gewisser Friede einkehrte. Die Gewissheit, dass ich nach keinem warum suchen brauche. Weil es gut ist, wie es ist.
Auch die vielen Tränen sind ebenso in Ordnung. Sie fließen in den Ozean, aus unendlich vielen Tropfen…..

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Sing….

Samstag, 10. Mai 2008 23:25

Leider habe ich keine bessere Alternative gefunden, als die untenstehende. Man braucht viel Geduld bis die Lieder downgeloadet sind, aber naja, man nimmt was man bekommen kann.

Wenn man mal von der Tonqualität absieht, die Hintergrundgeräusche ausblendet, den Musikgeschmack des Brautpaares nicht hinterfrägt, und die Sänger als pure Laien erkennt, dann kann man hier ein ganz klein wenig “Freiheit” hören, nicht an allen Stellen, aber an einigen. Wer weiß, vielleicht hört es jemand.

http://in.solit.us/archives/download/141690

http://in.solit.us/archives/download/141692

Schlaflosigkeit.
Unruhe.
Der Wunsch nach Umarmung.

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Sari Naru

Samstag, 10. Mai 2008 14:49

Ich habe vor etwa einer Stunde ein Telegramm erhalten, von einem Familienmitglied meines indonesischen Patenkindes Sari Naru.
In einem sehr gebrochenem Englisch wurde mir mitgeteilt, dass Sari Naru verstorben ist. Wenn ich es richtig verstehe, hatte sie Cholera und ist bereits vor zwei Wochen daran gestorben.
Ich habe Sari Naru meist einmal pro Jahr besucht, ansonsten hatten wir Briefkontakt.
In mir ist gerade so etwas wie “Leere” im Sinne, dass ich kein Gefühl ausmachen kann.
Sie ist in meinem Herzen, sie ist mein Herz.
Sari Naru, leuchtender Stern.

Terbang Sari Naru.
Dalam menjiwai, kamu bulan.

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Nicht-Können

Samstag, 10. Mai 2008 9:47

Ich ärgere mich nun seit gut einer Woche mit der Tatsache herum, dass ich nicht fähig bin, ein Musik-File hier auf den Blog zu laden.
Nicht, dass ich nicht versucht hätte mich zu informieren. Ich habe tatsächlich täglich einiges an Zeit damit zugebracht, herum zu probieren, wie dies denn nun gehen könnte.
Aber, so wie es aussieht gibt es dafür keine Lösung.
Eigentlich ja auch egal.
Aber nein, ich hasse es, bei diesen Dingen auf andere Menschen angewiesen zu sein. Und nein, der Faktor, dass ich das nie gelernt habe, zählt nicht. Heut zu Tage ist es nicht sonderlich schwer, solche Informationen aus dem Inet zu saugen.
Ich bin in diesen Computer-Dingen echt unfähig, und das ärgert mich maßlos.
Vor allem, weil ich diverse Anwendungen auch immer mehr für die Uni benötige und es für mich dann aus diesem Nicht-Können heraus einen enormen zusätzlichen Zeitaufwand darstellt.

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Hingabe

Freitag, 9. Mai 2008 20:04

“Gieb deine Schönheit immer hin
ohne Rechnen und Reden.
Du schweigst. Sie sagt für dich: Ich bin.
Und kommt in tausendfachem Sinn,
kommt endlich über jeden.”

(Rainer Maria Rilke, 14.7.1899, Berlin-Schmargendorf)

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Auflösung der Lügen

Freitag, 9. Mai 2008 19:07

Ich habe das Gefühl auf einen Punkt zu zu steuern, der sehr schmerzhaft sein wird.
Es ist als würde ich eine “Schwelle” überschritten haben und genau wissen, dass kein Weg daran vorbei führt, noch weiter zu gehen.
Oder in anderen Worten. Ich habe gar keine Wahl. Es ist als würde ein “innerer” Kompass mich führen, mitten ins “Unbekannte”.
Aber alleine das Überschreiten dieser Schwelle ist nicht die ganze Schwierigkeit. Als würde dieser Moment nicht schon schwierig genug gewesen sein.
Wenn man diese “Lügen des Lebens” und sein eigenes Verhalten erkennt, stellen sich diverse Schwierigkeiten mit dem Umfeld ein. Vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Hinzu kommt, dass es im Prinzip unmöglich ist, mit anderen über diese Erlebnisse zu reden. Das wäre wie Perle vor die Säue streuen.

Diese Unruhe, die ich nun schon seit einiger Zeit verspüre, habe ich nun als einen gewissen Drang identifiziert. Den Drang, diese Lügen aufzulösen, in dem ich Zustände verändere.
Aber bereits dies wäre schon wieder eine Lüge.
Sich vom Partner zu trennen, die Berufswahl in Frage zu stellen, Freundschaften zu hinterfragen, die ganze Gesellschaft zu durchleuchten……..all diese Anschauungen prägen einen gewaltigen Konflikt in mir. Daher die Unruhe.
Es könnten noch gewaltige Schwierigkeiten mit meinem ganzen Umfeld auftreten.
Wie erklärt man Menschen, die einem scheinbar nahe sind, dass man alles aufgeben könnte. Alles. Familie, Studium, Haus, Heimat……Wie kann das jemals jemand verstehen?

Mir wurde gesagt, dass, hat man diesen Punkt erstmal erreicht, würde ein innerer Antrieb dafür sorgen, dass man ohne “Hilfe” weitergeht.
Dies kann ich, ehrlich gesagt, nicht erkennen.

Von außen betrachtet, gebe ich den Prototypen einer Depressiven ab. Hier bedient sich jedes Symtom dieses Klischees. Manchmal glaube ich selbst schon daran.
Was ich sehr stark beobachten kann, dass Freunde es kaum schaffen, damit umzugehen.
Vorallm damit, dass ich keinerlei Anstrengungen unternehme, auch nur irgendetwas zu ändern.
Aussagen wie:”Komm, das wird schon wieder”, oder “Kopf hoch, da musst du einfach durch”, empfinde ich wiederum als Teil dieser Seifenoper. Hier kann ich wirklich nur mit der Schulter zucken.
Und im Endeffekt wollen Menschen mit mir in dieser Phase nichts zu tun haben. Und ich verstehe das.
Vor allem das andere Geschlecht hat da seine Probleme. Man will Frau als unbelastetest Objekt. Immer lächelnd und natürlich attraktiv. Selbst wenn es einem scheiße geht, soll man sich aufbrezeln um zumindest Schadensbegrenzung zu betreiben.
Aber dazu habe ich keinen Bock.

Das Einzige was mir manchmal etwas “Halt” gibt, ist die Tatsache, dass ich nichts falsch machen kann. Es gibt kein “nicht richtig”.
Es bedarf keinerlei Anstrengungen.
Diese Tatsache ist das einzige was mich momentan aufrecht hält.

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Österreich ist Inzest

Donnerstag, 8. Mai 2008 10:11

Wie hoch schlagen die Wellen bei uns Österreichern, wenn es darum geht, welch Bild nun die ganze Welt von uns liebreizendem Bergvölkchen vermittelt bekommt.
So ganz falsch finde ich die Schlagzeile gar nicht, man müsst sie nur etwas erweitern.
Denn, ins uns allen steckt ein Herr Fritzl, nur, wer will das schon wahrhaben?

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Atmen ist Leben

Mittwoch, 7. Mai 2008 15:02

Ich merke wie ich allmählich eine Phase hinter mir lasse.
Seit meiner letzten OP war in mir ein sehr sehr starkes Gefühl der Gleichgültigkeit, was vor allem meinen Körper anbelangt.
Ich fiel von einem Extrem ins andere. Von absoluter Vernachlässigung bis zur hysterischen Bauchpinselei.
Letze Woche begann das Sport-Modul im Zuge meines Studiums. Heute war Schwimmen an der Reihe und ich merke allmählich, wie mir die körperliche Betätigung gut tut. Ich beginne mich wieder zu spüren. Nur ganz langsam, aber immerhin.
Sport war mir irgendwie immer schon wichtig, aber da ist auch diese Seite der unsäglichen Faulheit in mir. Und irgendwie fanden diese zwei Charakterzüge nie so wirklich ihr Auskommen.
Seit ich wieder schmerzfrei bin gehe ich wieder laufen. Anfangs dachte ich, es würde meiner inneren Unruhe helfen, was es nicht tat, aber das spielt nun auch keine Rolle.
Während des Laufens merke ich, wie mein Atmen eine ganz andere Qualität bekommt. Atmen ist Leben. Ich darf mich nicht über Antriebslosigkeit und Müdigkeit wundern, wenn ich nur “halbherzig” atme. Mein ganzes Vitalsystem hängt damit zusammen, die ganze Lebensenergie. Meine Aufmerksamkeit steigt auch merklich, seit ich mich wieder etwas um meinen Körper kümmere. Hier muss es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Energielevel und “Lebenswillen” geben.
Die letzten Wochen war ich scheintot.
Jeder der behauptet, körperliche Betätigung (egal in welcher Form) wäre unwichtig, der redet sich nur etwas ein. Lügt sich selber in den Sack. Nur wie ein Gewohnheitstier dahin zu vegitieren ist zwar bequem aber auch ziemlich verlogen und feig. Und sich dabei dann noch fest auf die eigenen Schulter klopfen.

Ich bekomme so langsam das Gefühl, wieder klarer denken zu können. Wahrhaftiger zu fühlen und wieder ein wenig Sinn darin zu sehen, dieses System aufrecht zu erhalten. Ich werde etwas wacher.
Aber da ist auch diese Angst, mit der Wahrheit nicht zurecht zu kommen.
Was ist, wenn ich die Wahrheit nicht ertragen kann?

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Emotionale Abhängigkeit

Montag, 5. Mai 2008 19:51

Wie sehr ich emotional von meinen Mitmenschen abhängig bin, dass wurde mir heute in meinem Traum bewusst.
Ich bin abhängig von deren Zuneigung, von deren Wohlwollen mich zu mögen, von deren Mantel der Geborgenheit, von dem ich mir einbilde, dass sie ihn über mich werfen könnten.
Dafür würde ich alles tun.
Wie armselig.
Und dennoch, was kann ich dagegen tun.
Ich fühle mich so machtlos.
Ich will mich nicht mehr manipulieren lassen.
Ich will nicht mehr manipulieren.

Heute Nacht, nach diesem Traum hatte ich ein sehr starkes Vibrieren in meinen Beinen, das sich bis oberhalb des Beckens zog. Es war nicht unangenehm. Nein, ein warmes, angenehmes Gefühl.
Es stoppte etwa in der Höhe meines “Druckes” im Solarplexus.

Aufgewacht mit einem Gefühl voller Energie.
Etwas mehr Kraft verspürte ich heute morgen.
Das war schön.

Unruhe.

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